
Happy Birthday Nr. 8
Einer meiner Vorsätze für das Jahr 2026 lautet, meinen erschienenen Büchern zum Geburtstag zu gratulieren und mich noch einmal mit ihnen zu beschäftigen. Dazu möchte ich die Romane noch einmal lesen. Das habe ich noch nie gemacht. Wenn das Buch erschienen ist, rühre ich es nicht mehr an. Hab schon Angst, es nur aufzuschlagen.
Was, wenn mir dann als erstes ein Rechtschreibfehler entgegenspringt? Will ich nicht.
Oder wenn ich eine Passage lese, sie nachts im Bett im Kopf umschreibe und die Version dann besser finde? Will ich auch nicht.
Ergebnis: Ich lese meine Bücher nicht mehr und habe sie gut in Erinnerung.
Anders ist es bei meinen anderen kreativen Aktivitäten. Zum Beispiel male ich auch und die Bilder, die ich wirklich gelungen finde, hängen in meinem Haus. Ich sehe sie täglich und ich habe noch nie ein Bild wieder abgehängt, geschweige denn, es noch mal auf die Staffelei gestellt und daran herumgemalt. Ich weiß irgendwann, das Bild ist fertig. Und dieser Gefühlszustand hat sich im nachhinein noch nie geändert.
Warum also habe ich die Angst, dass ich es bei meinen Büchern anders empfinden könnte? Ich lese und korrigiere sie nach dem Lektorat ja noch mehrmals und beende sie dann mit dem Eindruck, dass die Geschichten jetzt gut und damit fertig sind. Auch habe ich bei jedem Roman das Gefühl, er ist der beste, meine Protagonisten sind mir ans Herz gewachsen und ich bin traurig, dass ich mich von ihnen verabschieden muss.
Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Bild in seiner Gesamtheit betrachten kann. Ein Blick. Ich kann alles auf einmal sehen und bin dann ganz sicher, so ist es gut, hier fehlt nichts.
Ein Buch ist vielschichtiger, es gibt immer Rechtschreib- oder Grammatikfehler in einem Roman. Fehlerarm wird einem bei einem Korrektorat garantiert, nie aber fehlerfrei. Zweitens ist bei mehreren hundert Seiten der Eindruck, alles überblicken zu können, nicht wirklich vorhanden. Die Handlungsstränge wachsen und verändern sich beim Schreiben, nicht alles habe ich vorher im Kopf und ist festgelegt, da bleibt der Funken Unsicherheit, dass man etwas übersehen hat, dass man einen Handlungsstrang mehr hätte ausbauen können, dass man etwas zu oft wiederholt hat, weil es einem so wichtig erschien.
Aber da muss ich jetzt durch, dafür sind Vorsätze ja da. Ich stelle mich diesen Unsicherheiten.
Mein Geburtstagsbuch im Januar ist das jüngste. In der Zwischenzeit ist Nr. 9 fast fertig, aber trotzdem ist es mir noch sehr nah.
Und es war ... einfach toll. Ich war gepackt von Floras Geschichte, habe mich in Alex verliebt und konnte schon nach wenigen Seiten den Kopf ausschalten, der nach Fehlern oder Ungereimtheiten suchte und einfach die Liebesgeschichte der beiden genießen.
Ob mir das so mit jedem Buch geht? Besonders mit meinen beiden ersten?
Ich bin sehr gespannt.
Jedenfalls kann ich meinem Buch von Herzen gratulieren. Und auch noch eine andere Tatsache feiern. Immer, wenn ein Roman beendet ist und es an die Covergestaltung geht, wächst eine unheimliche Freude auf den Prozess des Verpackens. Es wabern Ideen in meinem Kopf, die meine Cover-Designerin umsetzt und mir dabei neue Ideen liefert. Da kann noch alles mögliche passieren, bis es zu dem Punkt kommt, an dem sich das sichere Gefühl einstellt, dass das richtige Cover fertig ist. Und es natürlich das schönste Cover ist, das ich je hatte. Immer wieder passiert das und das macht mich unheimlich froh.
Das Cover von „Liebe zwischen Lügen“ hat allerdings wirklich einen Platz auf den oberen Rängen verdient, denn: Der pinke Stuhl hat es auf das Cover meines Liebesromans geschafft und das ist doch wirklich etwas ganz Besonderes. Bisher war er „nur“ zwischen den Seiten eines jeden Romans versteckt, jetzt prangt er für alle sichtbar auf dem Einband. Hätte er eine Nase, würde er sie jetzt stolz in die Höhe strecken. Obwohl, nein, eingebildet ist er nicht, nur unglaublich glücklich.
Und ich freue mich, dass die Geschichte dieses kleinen Stuhls so in meinem Leben verflochten ist. Er ist ein ständiger Begleiter in meinem Alltag, ein bisschen „Burg Rothenfels“ ist immer in meiner Tasche, wenn ich unterwegs bin und ich freue mich, dass er auch in meiner kreativen Schreibarbeit präsent ist.
Also: Happy Birthday Nr. 8 und auf gute Zusammenarbeit mit dir, kleiner, pinker Stuhl.